Regelenergie erklärt:
Was Stadtwerke über FCR, aFRR und mFRR wissen müssen
Das europäische Stromnetz muss zu jeder Sekunde im Gleichgewicht sein. Erzeugung und Verbrauch müssen sich exakt die Waage halten. Weichen sie voneinander ab, geraten Frequenz und Spannung ins Schwanken. Um das zu verhindern, setzen die Übertragungsnetzbetreiber auf Regelenergie: kurzfristig abrufbare Reserven, die Ungleichgewichte ausgleichen, bevor sie zur Gefahr für die Netzstabilität werden.
Für Stadtwerke und kommunale Versorger ist das Thema doppelt relevant: als Verantwortliche für die lokale Versorgungssicherheit und als potenzielle Anbieter von Regelenergie, die mit Batteriespeichern eine neue Erlösquelle erschließen können.
Was ist Regelenergie?
Regelenergie ist die Differenz zwischen geplanter und tatsächlicher Stromerzeugung beziehungsweise -verbrauch, die innerhalb von Sekunden bis Minuten ausgeglichen werden muss. Die Übertragungsnetzbetreiber (in Deutschland: 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW) beschaffen diese Reserven über wettbewerbliche Ausschreibungen auf der gemeinsamen Plattform regelleistung.net.
Es gibt zwei Richtungen: Positive Regelenergie wird gebraucht, wenn zu wenig Strom im Netz ist. Dann müssen Erzeuger kurzfristig mehr einspeisen oder Verbraucher ihren Bezug reduzieren. Negative Regelenergie wird benötigt, wenn ein Überschuss besteht, etwa wenn ein plötzliches Sturmtief unerwartet viel Windenergie ins Netz drückt.
Drei Produkte, drei Geschwindigkeiten
Je nach Schwere und Dauer der Abweichung kommen unterschiedliche Regelenergieprodukte zum Einsatz. Sie unterscheiden sich in Reaktionszeit, Aktivierungsart und Vergütung:
FCR: Primärregelleistung (Frequency Containment Reserve)
Die schnellste Stufe: FCR reagiert automatisch auf Frequenzabweichungen im Netz und muss innerhalb von 30 Sekunden vollständig aktiviert sein. Batteriespeicher sind für FCR prädestiniert, weil sie in Sekundenbruchteilen sowohl Leistung aufnehmen als auch abgeben können. FCR wird europäisch ausgeschrieben und ist symmetrisch — wer teilnimmt, muss sowohl positive als auch negative Leistung bereitstellen können.
aFRR: Sekundärregelleistung (Automatic Frequency Restoration Reserve)
Die zweite Stufe greift, wenn die Abweichung über die Kapazität der FCR hinausgeht oder länger andauert. Die Aktivierung erfolgt automatisch durch den Übertragungsnetzbetreiber innerhalb von 30 Sekunden bis fünf Minuten. Auch hier sind Batteriespeicher durch ihre schnelle Reaktionsfähigkeit im Vorteil gegenüber konventionellen Kraftwerken.
mFRR: Minutenreserve (Manual Frequency Restoration Reserve)
Die dritte Stufe wird bei anhaltenden Ungleichgewichten manuell durch den Übertragungsnetzbetreiber aktiviert. Die Bereitstellungszeit beträgt fünf bis 15 Minuten. mFRR ist oft besonders lukrativ in Kombination mit anderen Fahrweisen, weil der Speicher in den Zeiten ohne Abruf für Börsenhandel oder Peak Shaving genutzt werden kann. Mehr dazu auf unserer Seite zu Marktanbindung & Erlösen.
Wie Stadtwerke damit Geld verdienen
Die Vergütung für Regelenergie besteht aus zwei Komponenten: dem Leistungspreis und dem Arbeitspreis.
Leistungspreis: Wird allein für die Bereitschaft gezahlt, Regelenergie zu liefern, unabhängig davon, ob tatsächlich ein Abruf erfolgt. Das bedeutet: Schon die Vorhaltung eines Speichers generiert Erlöse.
Arbeitspreis: Kommt bei tatsächlichem Abruf hinzu. Die Höhe richtet sich nach der erbrachten Energiemenge und dem Marktpreis.
Im Rahmen eines Virtuellen Kraftwerks können mehrere Speicher gebündelt werden, um gemeinsam die Mindestgebotsgrößen am Regelenergiemarkt zu erfüllen — das öffnet den Markt auch für kleinere kommunale Anlagen.
Praxisbeispiel: STW Fürstenfeld
Das Stadtwerk Fürstenfeld in Österreich kombiniert einen 12 MW / 24 MWh Batteriespeicher mit mehreren Geschäftsmodellen: Peak Shaving, Regelreserve (FCR, aFRR, mFRR) und Dynamic Pricing (Intraday und Day-Ahead). Die Kombination maximiert die Gesamterlöse und macht den Speicher wirtschaftlich tragfähig — ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Erlösstrom.
Mehr zum strukturierten Einstieg in die Vermarktung finden Sie in unserem 6-Phasen-Projektablauf.